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Ufuk Cetin, Johannes Wrede, Johnny Häusler und Christopher Rother vor dem U-Bahnhof „Hansaplatz“, Berlin 1980 (Ausschnitt)

Foto: © Archiv Johannes Wrede

Wir schreiben den Spätsommer 1979. Vier Fünfzehnjährige, alle auf einer „renommierten“ Westberliner Schule in Tiergarten, tun sich zwecks Bandgründung zusammen. Zum Üben der berühmten drei Akkorde eignen sich Songs wie „teenage kicks“ (Undertones) oder „police and thieves“ (Clash) bestens. Musste man eben noch minutenlange Gitarrensoli in eh schon lange Songs einbauen, taten es nun – Punk sei Dank – harsche zwei Minuten mit notfalls auch nur zwei Akkorden. Und es war möglich, sich mit solch beschränkten Mitteln auf der Bühne zu zeigen, etwas Mut vorausgesetzt. So drängte es uns ab 1980 auf die Bühnen Berlins. Ein Berliner Veranstalter sah uns spielen und fing an, uns als Vorgruppe im Club „Exxcess“ zu buchen. Die Hauptacts konnten wir nicht sehen, galt es doch mit Gitarre und Verstärker in der Hand die letzte U-Bahn zu erwischen. Bei einem inzwischen legendären Auftritt der Band „Geile Tiere“ im Dschungel waren wir ebenfalls als Vorband am Start und bewegten uns im zarten Alter von 15 bzw. 16 Jahren bereits sicher im Underground der Stadt. Die Sache nahm Fahrt auf und Ende 1980 traten wir zum Beispiel beim „Rock Against Junk“-Festival in der TU-Mensa auf. Zum Soundcheck musste die Schule geschwänzt werden. Kurz vor Silvester entstanden im Studio „Musiclab“ innerhalb von zwei Tagen die Aufnahmen zu einer EP, die bei Rondo Schallplatten rauskommen sollte. Diese erschien zwar leider nicht, aber es ging weiter – unter anderem mit Auftritten im SO36 („Licht & Schatten“-Festival am 17.6.1981) und in fast allen anderen Clubs der Stadt. Ein Jugendtraum nach dem anderen erfüllte sich: Aufnahmen für eine LP (People’s Records) sowie eine Hollandtournee zusammen mit der Band „MDK“. Die Auftritte wurden größer, auf Festivals bespielten wir nun unter anderem das Tempodrom – nach (!) den Toten Hosen – oder die Freilichtbühne Rehberge. Kurz nach Erscheinen der LP kam dann der Split. Johnny und Ufuk machten bald mit „Plan B“ weiter. Für uns, die wir gleichaltrig mit den Mitgliedern der Berliner Boy-Band „Teens“ waren, ging eine extrem spannende Zeit zu Ende.

© Johannes Wrede, 2020